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Das jüdische Bad Sauerbrunn

Kur & Sommerfrische

Das erste Kurhaus entstand 1853, der erste Kurhaus -Betreiber war der Wr. Neustädter Arzt Dr. Josef Fink.Die ersten Villen erschienen in den 70erJahren des 19. Jahrhunderts auf der Bildfläche. Die ersten Kurgäste kamen aus Wr. Neustadt und Sopron, die ersten Villenbewohner waren höhere Offiziere aus diesen Garnisonsstandorten. Entsprechend dem jüdischen Anteil im Bürgertum beider Städte ist schon der erste touristische Boom nicht ohne Juden vorstellbar.

1901 wurde Sauerbrunn (ungar, Savanyúkút) gestattet den Titel Kurbad zu führen. 1903 eröffnete der neue Pächter der Kuranstalt, der Wiener Arzt Dr. Hermann Grimm das neue Sanatorium, das absolut auf der Höhe der Zeit war und damit die Moderne endgültig in den Fremdenverkehrsort zog. 

Warum Bad Sauebrunn bei der jüdischen Bevölkerung so beliebt war? 

"Juden gehen dorthin, wo Juden sind!" (Zitat: Sophie Haber, 1932)

Einerseits hatte der Ort für in Wien lebende Juden ein nahezu optimale Entfernung. So konnten Sie mit der Bahn rechtzeitig vor der Sabbatruhe anreisen. Anderereseits spielte sicher die Existenz von vier lebendigen jüdischen Gemeinden in unmittelbarer Umgebung (Wr. Neustadt, Eisenstadt, Ödenburg, Mattersburg) eine Rolle. Das galt vor allem für gläubige jüdische Sommerfrischler. Die räumliche Nähe zu der starken Judengemeinde von Mattersburg förderte aber auch die Beliebtheit Sauerbrunns in den jüdischen Millieus Wiens und anderen Städten.

Mit dem Anwachsen der Touristenzahlen steigerte sich das Engagement jüdischer Mattersburger Kaufleute in Sauerbrunn. Sie ließen sich im Kurort nieder oder errichteten hier zumindestens Filialen ihrer Mattersburger Geschäfte. Eine kleine, dauerhaft in Sauerbrunn ansässige jüdische Gemeinde entstand. 

In der Zwischenkriegszeit spielten die Juden im Kurort Bad Sauerbrunn eine bedeutende Rolle. Es gab eine Reihe von jüdischen Bürgern, die in Bad Sauerbrunn ihren ordentlichen Wohnsitz hatten wie u.a. der Kurarzt Dr. Grimm, Dr. Hoffmann, Hönigsberg, Biberstein, Weiss, Stern, Hirschl u.v.m.und von Mattersburg aus religiös betreut wurden. Einige dieser jüdischen Mitbürger genossen hohes Anssehen bei der Bevölkerung. Darüber hinaus kamen jährlich hunderte jüdische Sommerfrischler nach Sauerbrunn, die großteils aus dem jüdisch-bürgerlichen Geschäftsleben in Wien stammten. Gut situierte Menschen, die das Geschäftsleben und die Gastronomie im Kurort ankurbelten. Es lebten viele Sauerbrunner von der Vermietung ihrer Wohnungen an die jüdischen Sommerfrischler.

Die Ödenburger Zeitung vom 20.Juni 1920 nennt drei für den Sauerbrunn Boom verantwortliche Faktoren: die schöne Lage des Ortes, die Kur-Infrastruktur und der hervorragende Ruf der Grimm´schen Kuranstalt, der bis nach Budapest reichte.

Auch andere Sauerbrunner Juden hatten großen Anteil an der Karriere des Kurortes in den 1920er und 1930er Jahren. Viele kommunale, kulturelle, soziale oder touristische Errungenschaften, die in dieser Epoche entstanden, sind nicht ohne "jüdische Beiträge" denkbar. 

So schildert Felix Szolcsanyi an ein jüdisches Leben im Kurort Sauerbrunn:

Der verträumte Kurort Sauerbrunn galt in den Sommermonaten als beliebter Treffpunkt für jung und alt. Aus Wien, Wr. Neustadt, Ödenburg und Budapest strömten viele jüdische Familien  mit Sack und Pack nach Sauerbrunn, um hier in einer ländlichen romantischen Umgebung, Ruhe und Erholung zu finden. Aber was wäre ein gepflegter Kurort ohne das Laster der Unterhaltung? Und wer damals auf Unterhaltung Wert legte, dem wurde in Sauerbrunn einiges geboten: Die ungarische Kapelle Bela Spiegel spielte täglich im Café Hönigsberg zum Tanz auf, und im Kurhotel Dörner jazzten Richard Weil und seine Freunde. Den musikalischen Höhepunkt der Woche bildete aber das sonntägliche Kurkonzert im Musikpavillon. Auf der benachbarten Franzenshöhe bestand ein gepflegtes koscheres Restaurant und die Konditorei Davidow lockte mit köstlichen Nascherein viele Gäste an. 

Im Gasthof Weiss gab es ein jüdisches Betzimmer mit einem mächtigen Thoraschrein, sodass die Sauerbrunner sich Gedanken darüber machten, das Elektrizitätswerk zu erwerben und in ein Bethaus umzubauen. Doch die politischen Entwicklungen machten diesen Plan mit dem "Anschluß" 1938 zunichte.

 

Antisemitismus in Bad Sauerbrunn

In Sauerbrunn gab es keine  Mauer zwischen rein "jüdischen" und rein "christlichen" Handlungen, zuweilen kam es zu recht wirren Mischkulanzen. Die Sauerbrunner lebten von der jüdischen Bevölkerung und es herrschte primär ein harmonisches Mit- und Nebeneinander, mit der gegenseitigen Gelassenheit gegenüber der Normen der "anderen Seite" vor. Die Juden haben sich nicht abgekapselt und man ging gegenseitig auf jüdische und christliche Feste.

Es kann aber nicht ganz geleugnet werden, dass es schon einzelne antisemitische Strömungen vor dem ersten Weltkrieg gab. 

Nach dem Anschluss an das Deutsche Reich wurden auch in Sauerbrunner Juden vertrieben und mussten unter starkem Druck ihren Besitz verschleudern oder wurden "arisiert". Nur wenige Bewohner Sauerbrunns kehrten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach Sauerbrunn zurück. Die lebendige Hochzeit gesellschaftlichen Treibens im Kurort kann mit dem Ende des jüdischen Lebens durchaus in Zusammenhang gebracht werden.

 

Dies sind  Auszüge aus der Ortschronik, sollten Sie mehr über den Ort erfahren wollen, die Ortschronik (EUR 14,90 exkl. Versand) gibt es in der Gemeinde zu den Öffnungszeiten oder per e-Mail: info@tourismus-badsauerbrunn.at zu bestellen.

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