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... als die Städter das Land entdecken

Zur Wende vom 18. ins 19. Jahrundert begann die bürgerliche Gesellschaftsschicht in Wien, Budapest, Pressburg, Ödenburg oder Wiener Neustadt, Sommerhäuser und Sommerwohnungen in der jeweiligen Umgebund zu beziehen. Aus Wiener Sicht war  Sauerbrunn zwar ziemlich nah, aber noch recht schlecht erreichbar. Das änderte sich schlagartig im Sommer 1847, mit der Eröffnung der Ödenburger-Wiener Neustädter Eisenbahnlinie. Mit dieser Bahnlinie wurden die endgültigen Voraussetzungen zur Entstehung der bürgerlichen Sommerfrische geschaffen. 

1901 wurde Sauerbrunn gestattet den Titel "Kurbad" zu führen. 1903 eröffnete ein neuer Pächter Dr. Hermann Grimm das neue Sanatorium und Kurinstitut, das damals absolut als eines der modernsten der Zeit galt. Damit war der Sommerfrische und Kurtourismus in Sauerbrunn nicht mehr aufzuhalten.,

 

Der Busserlzug

Die Gunst der Bahnverbindung förderte nicht nur den Kurtourismus im allgemeinen, sondern die Frequenz jüdischer Gäste im Besonderen. Der Ort hatte für Wiener Juden eine geradezu ideale Entfernung zu Wien. Die Eisenbahn fuhr am Freitag in Wien so weg, dass  gläubige Juden rechtzeitig vor der Sabbatruhe in Sauerbrunn ankamen. 

Die Familienväter, die ja in der Regel in Wien arbeiteten und nur zu den Wochenenden ihre Frauen und Kinder in Sauerbrunn besuchen konnten, waren somit rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit am Ziel.

Von allen Ritualen des gesellschaftlichen Lebens im Sauerbrunner Sommer muß die Ankunft des "Busserlzugs" das typischste Ritual gewesen sein. Es wiederholte sich Freitag für Freitag: wenn Frauen und Kinder abends am Bahnhof  standen um die ankommenden Männer zu begrüßen.

"...Vor der Station haben sich die Gattinnen, Schweser, Bräute, Tanten und sonstige weibliche  Verwandschaftsgrade eingefunden und harren sehnsüchtig und ohne Hut des ankommenden Gatten, Bruder, Bräutigams usw. Ferner außerordentlich frisch gewaschen und sauber gekleidete Kinder....

Die Frauen und Kinder stehen dicht beim Ausgang und der Ankommende gerät aus der Ungebundenheit des Strohwittwers sozusagen unvermittelt ins Familienleben hinein...

Nach Absolvierung der gründlichen Wochenküsse tauscht der Ehemann die zahlreichen Pakete, mit denen er belastet war, gegen den jüngsten Sprössling aus, der durchaus vom Papa getragen werden will, während sich die Zärtlichkeit der älteren Kinder mehr auf seine Handtasche und Spazierstock konzentriert." 

Der Zug wurde auf Grund dieses  Rituals des gesellschaftlichen Lebens, welches sich Freitag für Freitag wiederholte von den Einheimischen "Busser-Zug" genannt.

Quelle: Bad Sauerbrunn - Ortschronik in drei Teilen, 1999

Bad Sauerbrunner Zug-Busserl

Der Tourismus Bad Sauerbrunn hat diese Idee im Rahmen der neuen Ortsführung "Dr. Grimm erzählt" aufgegriffen und die Bad Sauerbrunn Zugbusserl, gemeinsam mit der Kurkonditorei Kaiser entwickelt!

Ein wunderbares Mitbringsl oder eine Köstlichkeit zum selber gleich vernaschen!

Erhältlich in der Kurkonditorei Kaiser (EUR 3,06 )

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