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Die Sommerfrische

Das Flair der Sommerfrische!

Zur Wende vom 18. ins 19. Jahrundert begann die bürgerliche Gesellschaftsschicht in Wien, Budapest, Pressburg, Ödenburg oder Wiener Neustadt, Sommerhäuser und Sommerwohnungen in der jeweiligen Umgebung zu beziehen. Bei diesem aller ersten Sommerfrische - Schub spielte Sauerbrunn noch keine Rolle. Jedoch wehte der Zeitgeist auch dem Herren über die Wälder und Weingärten auf dem Gebiet des heutigen Sauerbrunn um die Ohren.

Aus Wiener Sicht war zuerst Sauerbrunn zwar ziemlich nah, aber noch recht schlecht erreichbar. Das änderte sich Schlagartig im Sommer 1847 mit der Eröffnung der Ödenburger-Wiener Neustädter Eisenbahnlinie. Mit dieser Bahnlinie wurden die endgültigen Voraussetzungen zur Entstehung der bürgerlichen Sommerfrische geschaffen.

Heilquelle und Eisenbahn haben ermöglicht, dass sich Sauerbrunn zunächst von der ursprünglich bäuerlichen Umgebung abgelöster Kurrayon entwickelte, der sich 1909 von der Muttergemeinde Pöttsching los löste und eine selbständige Ortsgemeinde bildete, die sich in ihrem sozialen Erscheinungsbild völlig von den umliegenden Gemeinden unterschied.

Das erste Kurhaus entstand 1853, der erste Kurhaus Betreiber war der Wr. Neustädter Arzt Dr. Fink. Die ersten Villen erscheinen in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts auf der Bildfläche.

Besonders nach der Jahrhundertwende schien der Ort regelrecht zu "explodieren". Die Volkszählung von 1910 ergab bereits 225 Häuser und Villen - zu einem raschen Zustrom jüdischer Gästen aus Wien, Budapest und Preßburg. 1901 wurde Sauerbrunn gestattet den Titel "Kurbad" zu führen. 1903 eröffnete ein neuer Pächter Dr. Hermann Grimm das neue Sanatorium und Kurinstitut, das damals absolut als eines der modernsten der Zeit galt.

Dr. Grimms Konzepte entpuppten sich als Modernisierungsmaschinerie und in seiner Eigenschaft als Manager der Kuranstalt war er sozusagen der erste Tourismuswerber nach zeitgenössischer Art in Sauerbrunn.  Seine Öffentlichkeitsarbeit wirkte Wunder. Nach dem ersten Weltkrieg hieß es schon einen Sommer danach: "Alles zum Grimm!" Damit war der Fremdenverkehr endgültig in Sauerbrunn eingezogen.

Die Standard Sommerfrische der alten Schule trennt Mann und Frau. Anders geht es nicht, denn die richtige Sommerfrische dauert zwei bis drei Monate und solange kann ein Familienvater- auch aus dem besten Hause - nicht von stadt und Geschäft fern bleiben. Aus dem Blickwinkel des solo in der Stadt verbleibenden Mann, erscheint die Trennung gleichermaßen als Befreung und Katastrophe. In den Strohsommern wird den bürgerlichen Männern die Entfremdung von der Hausarbeit bewußt, die ja von Gattin und Dienstboten verlassenen Stadtwohnung anfällt.

Das Strohwitwerdasein als Wechselbad der männlichen Gefühle - zwischen dem Gefühl der Freiheit zum Seitensprung und der Angst, von der zurückkehrenden Gattin als Versager im Haushaltsangelegenheiten ertappt zu werden, beschreibt Ludwig Hirschfeld in einem Artikel in der Neuen Freien Presse von 1934 sehr gut.

Auch bei den Autoren wie Waldinger, Rotenberg, Roth haben die Augenblicke, die Aufenthalte in Sauerbrunn Spuren im literarischen bzw. publizistischen Werken hinterlassen.

So beschreibt György Sebestyn nach einem Besuch in Sauerbrunn in den 1950er Jahren: " In Sauerbrunn ist immer Sonntag. Ich habe noch keine Ortschaft gesehen in der jeder Tag derart sonntäglich gewesen wäre, von Bienen und Libellen durchsummt und honigfarben und voll der süßlichen Schwüle immerzu blühender Sträuche. Im westlichen Burgenland gibt es keinen melancholischeren Ort als Sauerbrunn. Hier liest man dicke Bücher bis zur letzten Seite. Hier weiß man plötzlich, was man den kürzlich verstorbenen Vater hätte fragen müssen. Hier hörtman, in der Umgebung des alten hölzernen Pavillons, verklungene Musik. In Sauerbrunn glaubt man mitunter, lange zu leben!"

Die zum Großteil der Wiener Mittelschicht und dem Bürgertum angehörigen jüdischen Sommergäste brachten massiv Stadtluft in die burgenländische Gemeinde. Ihre Anwesenheit erzeugte jene Sauerbrunner Atmosphäre, wie sie nur für die Zwischenkriegszeit typisch war.

Jede Saison hatte ihre Veranstaltungen, so fand zB. am 01.August 1900 im Grünwald´schen Café Sezession ein Confetti-Fest statt, das mit einem Feuerwerk endete. Über ein ganzjähriges Parkfest des Verschönerungsvereins, das am Vormittag mit Militärblasmusik gebann und nachts mit tanz endete. Am 26. Juni 1910 war die Einführung der elektrischen Beleuchtung in Sauerbrunn 'Anlass eines Festbanketts im Hotel Bellevue. Am 19.August 1911 wurde um Hotel Band das Königsfest gefeiert.

So berichten einige Zeitzeugen folgendes:

Am Hauptplatz herrschte bis Mitternacht Betrieb, man flanierte, besuchte die beiden Konditoreien, die Jazzkonzerte u.s.w.

Der mondäne Charakter des Kurortes inmitten einer bäuerlichen Landschaft übte den Reiz der "Freiheit" aus Die Frauen aus der Stadt, die ja während der Woche oft "frei" von ihren Männern waren, waren Gesprächsstoff für die Landbewohner. Führten sie doch ein "unmoralischen" Lebenswandel, aber gerade deswegen fühlten sich viele vom "anrüchigen"Sauerbrunn angelockt.

Ins Cafe Hönigsberg ging man Sonntag nachmittag zum Tant, zwei Sauerbrunner Einheimische übten dabei die "Gigolo-Funktion" aus, das heißt sie waren Eintänzer, die die Sommerfrischlerinnen auf das Tanzparkett führten.

Für die Einheimischen war die Vermietung zu einem wichtigen wirtschafltichen Standbein geworden. "Die Sommerfrischler ließen viel Geld im Ort. Alle haben von den Juden gelebt, und wie diese weg waren, war es aus mit Sauerbrunn."

 

Die Sommerfrische als Phänomen der Zwischenkriegszeit hat das gesellschaftliche und kulturelle Leben von Sauerbrunn dominiert.

Die moderne Zeit hätte so oder so den Kurort verändert, dennoch verschwand mit dem Holocaust nicht nur die Juden aus dem Ort, sondern ging auch ein Stückchen Seele des Ortes verloren.

 

Dies sind  Auszüge aus der Ortschronik, sollten Sie mehr über den Ort erfahren wollen, die Ortschronik (EUR 14,90 exkl. Versand) gibt es in der Gemeinde zu den Öffnungszeiten oder per e-Mail: info@tourismus-badsauerbrunn.at zu bestellen.

 

 

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